 |
Die Unschädlichkeit des Zahnfüllstoffs Amalgam ist seit vielen Jahren umstritten. Während es auf der einen Seite vorbehaltlos akzeptiert wird und ihm keine nennenswerten Verträglichkeitsprobleme bei der Zahnbehandlung unterstellt werden, nimmt die Zahl der Kritiker ständig zu, die eine ernstzunehmende Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung durch Quecksilber aus Zahnamalgam vermuten. Seit langem ist bekannt, daß Quecksilber (Hg) aus Amalgamfüllungen freigesetzt wird. Das gleiche gilt grundsätzlich auch für andere Zahnersatzmaterialien. Für Zahnamalgam ist jedoch gesichert, daß der größte Teil der täglichen Quecksilberaufnahme über die Atemwege (Einatmen vom Quecksilberdampf) erfolgt und nur 10 - 20 % über den Magen - Darm - Trakt in den Körper gelangt. Die meisten aktuellen Daten sprechen dafür, daß die täglich aufgenommene Quecksilbermenge deutlich unter den zulässigen Grenzwerten bleibt und daß die unbestreitbar vorhandene Belastung toxikologisch für die Allgemeinheit nicht bedeutend ist, also klinisch nicht als Vergiftung zum Tragen kommt.
DieVerträglichkeit von Quecksilber für die große Mehrheit der Bevölkerung schließt jedoch nicht aus, daß Einzelne empfindlich reagieren und auch bei normalerweise unterschwelligen Belastungen krankhafte Reaktionen entwickeln. Das Hauptaugenmerk muß darauf gerichtet werden, diese Minderheit empfindlicher Patienten herauszufinden und entsprechend zu versorgen. Die Bestimmung der Quecksilber-konzentrationen in Speichel, Blut, Stuhl oder Urin, ob spontan oder nach Provokation (DMPS- Test), kann die Frage der individuellen Quecksilber- bzw. Metallverträglichkeit nicht beantworten. Es gibt bisher keine etablierten Biomarker, die die individuelle Schwelle toxischer Reaktionen zuverlässig markieren könnten.
Die Verbindung zur Konstitutionslehre ist für den homöopatisch ausgebildeten Arzt offensichtlich. W. Zimmermann schreibt in „ Homöopathie der Haukrankheiten (J.Sonntag Verlag Stuttgart1979): „Eine Mittelgruppe, die in Verbindung mit dem Lymphatismus nicht unerwähnt bleiben darf, sind die Halogene. Die Nebengruppe des zweiten Ordnungssystems des periodischen Systems ist gekennzeichnet durch Mercurius, dem ebenfalls großen Reaktionsmittel torpider Krankheitsverläufe und chronifizierter Zustände
Hahnemann vermutete als Ursache chronischer Erkrankungen eine allgemeine Krankheits - bereitschaft. Er unterschied drei unterschiedliche Veranlagungen (Miasmen) zu chronischen Erkrankungen: Syphilis, Sykosis und Psora. Die Syphilis, die destruktive Veranlagung, wurde von Hahnemann dem Quecksilber zugeordnet. Die vierte mögliche Ursache bilden die chronischen Vergiftungen. Die Verwendung homöopathischer Dosen ist sicher den toxikologischen Überlegungen nicht fern.“
Welche Möglichkeiten existieren, die individuelle Toleranzschwelle für Quecksilber, Zahnmetalle oder andere Zahnersatzmaterialien festzustellen und deren Gesundheitsrisikoabzuschätzen?
Quecksilber - Amalgam: Zahnamalgam besteht zu ca. 50 % aus Quecksilber und zu maximal 35 % aus Silber, 10 - 15 % Zinn, 2 - 8 % Kupfer und 1 % Zink. Weitere Metalle wie Cadmium, Palladium, Indium oder Platin können ebenfalls in geringen Konzentrationen enthalten sein.
Aus Zahnamalgam werden kontinuierlich metallisches Quecksilber- und andere Legierungsmetalle durch Korrosion herausgelöst. Dies ist mit dem „Kaugummitest“ nachweisbar. Die freigesetzte Metallmengehängt in erster Linie von der Zahl der Amalgamfüllungen ab.
Ebenso entscheidend sind mechanische Faktoren (unpolierte Füllungen!), die Ernährungsweise sowie Temperatur und pH Wert der Speisen. Aufgrund seiner hohen Flüchtigkeit dringt metallisches Quecksilber vorwiegend über die Atemwege in die Lunge ein, wo es zu ca. 80 % resorbiert wird. Gelöstes Quecksilber gelangt in Form von Abriebpartikeln (Hg.) oder als ionisiertes Hg2+ in den Verdauungstrakt, wo nur ein geringer Teil (7 - 20 %) resorbiert wird. Im Verdauungstrakt wird Quecksilber teilweise bakteriell in das hochtoxische Methyl - Quecksilber umgewandelt, das vollständig aufgenommen und bevorzugt im Gehirn angereichert wird. Schließlich kann Quecksilber auch direkt aus der Implantat - Umgebung in die Blutbahn gelangen. Die Quecksilberzufuhr aus der Umwelt ist meist geringer. Die tägliche Aufnahme über die Nahrung liegt bei 2- 10 mg/Tag. Bei hohem Fischverzehr kann dieser Wert bis auf das 10-fache ansteigen, da Quecksilber im Fisch als Methyl - Quecksilber angereichert wird. Die Anreicherung in Niere, Hirn und Leber ist das 7-40 - fache von dem, was im Blut gemessen wird.
Beschwerden bei Patienten mit Amalgamfüllungen (in abnehmender Reihenfolge):Kopfschmerzen, Mund- und Zungenbrennen Schwindel, Ohrensausen ,Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Schlafstörungen, Migräne, rheumatische Beschwerden, Ohnmachtsanfälle, Hautleiden, Gleichgewichtsstörungen, bitterer Mundgeschmack, Flimmern vor den Augen, Krampfanfälle, nervöse Störungen Quelle: G.N.PHARM Arzneimittel GmbH; D-70734 Fellbach bei Stuttgart 1995
Wenn Sie Amalgamfüllungen in Ihren Zähnen haben, empfehle ich folgende Maßnahmen, egal, ob Sie bereits unter oben angegebenen Beschwerden leiden oder (noch) nicht.
Entgiftungsmaßnahmen: Grundsätzlich muß eine Entgiftungsbehandlung individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sein. Ein Patient mit Nierenstörungen scheidet z. B. weniger Quecksilber über die Niere aus. Hier mußdie Stärkung der Niere in die therapeutischen Überlegungen mit einbezogen werden. Ähnlich verhält es sich bei Patienten mit eingeschränkter Magen - Darm - Tätigkeit. Hier hilft nur die sorgfältige erhobene Diagnose und ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept. Darüber hinaus gibt es allgemeine Therapiemaßnahmen, nämlich den Einsatz von Antioxidanzien und bei einer Schwermetallvergiftung den Einsatz von Chelatbildnern (DMPS, DMSA).
Einsatz von Antioxidanzien:Quecksilber bindet wie andere Metalle an Sulfhydryl - Gruppen von Eiweißkörpern und bildet mit ihnen feste Komplexe. Viele Enzyme haben funktionell wichtige SH - Gruppen. Vor diesem biochemischen Hintergrund erklärt sich die durch Schwermetalle ausgelöste Enzymhemmung. Zusätzlich regt Quecksilber die Bildung von freier Radikalen an. Bestimmte Enzyme beschleunigen das Abfangen der freien Radikale. Sie werden daher auch Scavenger - Enzyme genannt. Ziel einer Schwermetalltherapie muß die Wiederherstellung funktionsfähiger Enzyme sein. Dazu kommen Selen, Zink, Vitamin C und Vitamin E in Frage.
SPEICHELTEST: Der Speicheltest dient zur Erkennung, wieviel giftige Metalle im Speichel sind wieviel beim Kauen abgerieben wird. Dieser Test ist Nachweis, daß die Schwermetalle nicht aus der Nahrung aufgenommen werden, sondern aus den Amalgamfüllungen stammen.
AMALGAMENTFERNUNG: Wenn der Speicheltest eine Schwermetallbelastung ergeben hat, ist der nächste Schritt die Entfernung allen Amalgams. Amalgam wird auch für Wurzelfüllungen verwendet und findet sich unter Zahnkronen. Amalgamsplitter im Kiefer und Weichteilen der Mundhöhle sind nicht selten und müssen ebenfalls entfernt werden. Wurzeltote Zähne können beherdet sein und müssen dann gezogen werden. Aufschluß gibt ein Röntgenbild. Erfahrene Ärzte erkennen auf einer Panorama - Röntgenaufnahme Schwermetall - Depots im Kiefer.
Worauf sollten Sie achten: Beim Herausbohren sollte Kofferdam (eine dünne Gummiabdeckung der Mundschleimhäute, die nur einzelne Zähne freiläßt) verwendet werden. 1 Stunde vor Beginn der Behandlung eine Kapsel "Dimaval" nehmen. Ausbohren des Amalgams mit langsamem Bohrer; beim Bohren reichlich Wasser zuführen. Nicht sofort ein anderes Metall wie Gold als neue Füllung verwenden, sondern für ca.1-2 Jahre ein metallfreies Provisorium einsetzen. Hierfür eignen sich lichtgehärtete Kunststoffe. Füllungen aus lichtgehärtete Kunststoffen werden von den Krankenkassen bezahlt!
Einsatz von Chelatbildnern (DMPS):Durch den Einsatz von Chelatbildnern ist es möglich, Schwermetalldepots im Körper, besonders solche in der Niere, zu mobilisieren.
Spezielle Maßnahmen während der Schwangerschaft: Die werdende Mutter sollte auf Alkohol, Kaffee und Zigaretten verzichten. Um die Schadstoffwirkung von freiwerdendem Quecksilber bis zu einer möglichen Amalgamsanierung (nach dem Abstillen) gering zu halten, empfiehlt sich die Therapie mit Antioxidantien.
Solange keine Amalgamsanierung erfolgen kann: Keine stark Essig- bzw. Zitronensäure - haltigen Salate essen, Keine zu heißen Getränke oder Speisen zu sich nehmen, Nicht fest mahlend kauen (Fleisch), Keinen Kaugummi oder ähnliches kauen, Auf Zink-, Eisen- und selenreiche Kost achten, Andere Umweltgifte, besonders Holzschutzmittel, meiden, Keine Fluor - Zahnpasta verwenden.
“Quecksilber(neben)wirkungen”: Quecksilber führt zu einer vermehrten Freisetzung von IgE, Antimetaboliten und Lysozym. Autoantikörper werden induziert. Autoimmunerkrankungen ,Immunopathien und Haarausfall wurden beobachtet. Es wurden vermehrt Aborte, Totgeburten, Mißbildungen, retardiertes Wachstum und Sterilität von Mann und Frau beschrieben. Bei Gebährmutterhalskrebs fanden sich auf das Doppelte erhöhte Quecksilberwerte im Serum. Bei der Schwermetallvergiftung kommt es vorzugsweise zu einer Gesichtsfeldeinengung. Bei der Quecksilberintoxikation besteht eine Korrelation der Schäden im Hinterhaupt mit der Gesichtsfeldeinengung. Bei eingeschränktem Gesichtsfeld kommt es auch zum Schielen. Durch Quecksilber kommt es - wie bei allen Giften - zu einer vermehrten Freisetzung freier Radikale im Körper. Die Antioxidativen Systeme werden verstärkt in Anspruch genommen. Hierzu gehören Enzyme, Letzthin, schwefelhaltige Aminosäuren, Selen und die Vitamine A,C,E.
Mit steigender Zahl der Füllungen steigt nach DPMS der Hg-Wert im Urin. Bei Affen, denen Amalgam implantiert wurde konnten mit zunehmender Hg Ausscheidung Hormonstörungen und polizystische Ovarien gefunden werden. Von allen Hormondrüsen wurde in der Schilddrüse am meisten Quecksilber gespeichert.
Für die Quecksilberbelastung im medizinischen Bereich existieren keine Grenzwerte. In der Arbeitsmedizin ist die chronische Quecksilberbelastung als Erkrankung anerkannt und wird Mikromerkurialismus genannt. Der Grenzwert für den Arbeitsbereich liegt bei 10µg Hg/m³ Luft. Für den Wohnbereich liegt der Grenzwert bei 2,5µg Hg/m³ Luft. Bei Patienten ohne Amalgam konnte in der Ausatemluft kein Wert über 0,3µg Hg/m³ Luft gemessen werden. Bei Patienten mit Amalgam lagen die Werte zwischen 3 und 28µg Hg/m³ Luft in Ruhe. Beim Zähneputzen wurden 62, beim Kaugummikauen 48 und beim Trinken heißer Getränke 45 µg Hg/m³ in der Ausatemluft gemessen. Der Speichel von Patienten mit Amalgam enthält im Durchschnitt 4,9µg Hg/l. Der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Quecksilber im Trinkwasser liegt bei 1µg Hg/l. Die Quecksilberbelastung durch Amalgam ist aufgrund von Untersuchungen der Universitäten Erlangen und Düsseldorf 20x größer als durch die Nahrung. Dies ist auch von der Weltgesundheitsorganisation anerkannt. Quecksilber aus Amalgam wird als Quecksilberdampf über die Lungen aufgenommen und zu 80% resorbiert. In der Nahrung (z.B. Fisch) ist Quecksilber organisch gebunden und wird nur zu 30% resorbiert. 2% aller Patienten haben eine Amalgamallergie (ca.200.000 in der BRD) Bei Verwendung verschiedener Metalle treten Mundströme auf. Beschwerden sind u.a. Zungenbrennen, trockener Mund, Metallgeschmack, Schwindel, Aphten, Lichen ruber. Die Grenzwerte für Mundströme sind <100mV, <3µA, <60nWs
Kostenübernahme:Sowohl der Speichel- wie der DPMS- Test sind derzeit keine Kassenleistung. Eine Entfernung der Amalgam - Plomben wird derzeit nur bezahlt, wenn eine Metallallergie auf Amalgaminhaltsstoffe vorliegt. Eine Metalallergie läßt sich mit Hilfe eines Epikutantests und eines Lymphozytentransformationstests nachweisen. Beide Testverfahren werden von den Krankenkassen bezahlt. .
Meldung von Vergiftungen an das Bundesgesundheitsamt: Nach §16e Abs.2 Chemikaliengesetz sind Ärzte verpflichtet, Vergiftungsfälle an das Bundesgesundheitsamt zu melden. Dies gilt natürlich auch für eine Schwermetallvergiftung durch Amalgamfüllungen; bitte weisen Sie Ihren Arzt ausdrücklich darauf hin!
Literatur: Koch W.H., Weitz M.: Amalgam - Belastungen eine Realität. Was raten Sie Ihren Patienten. Therapiewoche 41 1501-1504; 1669-1677 (1991); Daunderer M.: Handbuch der Amalgamvergiftung. Ecomed Verlag Landsberg am Lech (1992); Daunderer M.: Therapie der Amalgamvergiftung. Forum des Praktischen und Allgemeinarztes 2 (1991); Köstier W.: Immunologische und spektralanalytische Veränderungen durch Quecksilbermobilisierung aus Amalgamfüllungen. Erfahrungsheilkunde 10, 572-577 (1990); Schrauzer G.N.: Quecksilber - Detoxifikation durch Selen - Ein Beitrag zur Lösung des Amalgam - Problems. Deutsche Zeitschrift für Biologische Zahnmedizin 4, 162-164 (1989); Gabard B., Planas-Bohne F., Reguta G.: The excretion of trace elements in rat urine after treatment with 2,3 dimercaptopropane sodium sulfonate. Toxicology 12, 281-284 (1979); Gerhard I., Waldbrenner P., Thuro H., Runnebaum B.: Diagnostik von Schwermetallbelastungen mit dem peroralen DMPS-Test und dem Kaugummitest. Klinisches Labor 9, 404-407 (1992); Gerhard I.: Chromosomenschäden durch Umweltgifte; Referat gehalten auf dem Symposium "Prävention, Diagnose und Therapie von Umwelterkrankungen", Fellbach 1993; Zimmermann W.: Homöopathie der Haukrankheiten; J.Sonntag Verlag Stuttgart 1979; G.N.PHARM Arzneimittel GmbH - Schorndorfer Straße 32 - D-70734 Fellbach bei Stuttgart.
|