Kältetherapie

dämpft mechanisch biochemisch oder infektös bedingte Entzündungen (Temperatursenkung hemmt die Aktivität von Mediatoren, z. B. Kollagenasen auf ¼ bei Temperatursenkung um 3°C)
setzt die Nervenleitgeschwindigkeit herab, hemmt die Nozirezeptoren
Kurze Kaltreize (5- max. 60 sek.) regen die Aktivität der Muskelspindeln an, es kommt zu einer Tonuserhöhung
Länger dauernde Kaltreize (Wärmeentzug) mindern die Aktivität der Muskelspindeln, der Tonus wird gesenkt, Spastiken gedämpft.
Blockiert Axonreflexe des somatischen und vegetativen Nervensystems.

Verfahren: Kneipptherapie (Barfußgehen, Wassertreten, Güsse, wärmeentziehende Wickel), kalte Packungen (Moor, Lehm, Quark), Kalte Bäder, Kältespray, Betupfen mit Eiswürfeln, Kaltluft (-30-40°C), Kryopackungen, Kältekammer (Kaltluft von –60- -110°C)

Kaltreize haben eine gegensätzlichen Effekt wie Warmreize. Sie eignen sich zur Behandlung von Arterien ,Venen, Kapillaren ohne das Herz zu belasten.
tonisieren Venen und Arterien peripher
senken Herzfrequenz und Herzminutenvolumen (Ökonomisierung der Herzarbeit),
stabilisieren den Kreislauf  (bei Hypotonie)
verbessern die Klappenfunktion der Unterschenkelvenen,

härten ab: reaktive, wahrscheinlich resistenzsteigernde Hyperämie der Rachen- und Nasenschleimhaut (Franke 1973);
auch bei Saunabesuchen ist der Abhärtungseffekt nur möglich durch abschließende ausgiebige Kaltreize (Franke 1974);

Eine tiefenwirksame entzündungswidrige Wirkung von Kaltreizen ist nicht nachgewiesen, jedoch approbat (z. B.: Appendizitis, Cholezystitis)

Inhalation kalter Luft 0°C führt zu Anstieg von diastolischem Blutdruck, Herzfrequenz, systolischem Aortendruck und linksventrikulären Druck im Herzen (Kälteangina)

Serielle Kaltreize führen zu einer vegetativ- nervösen Umstimmung mit trophotop-vagotoner Einstellung (funktionelle Adaptation).

Nachwirkung großflächiger Kaltreize hält 2-3 Stunden an.
Es kommt zur Änderung von Hauttemperatur und Durchblutung, Veränderung von Körperkerntemperatur und Herzfrequenz. 

Kalte Auflagen wirken vegetativ entspannend
Aufs Abdomen bei Blähungen,
Aufs Herz bei Palpitationen, Tachykardie, Herzrhytmusstörungen (Schmid 84),
Auf die Stirn bei
Kopfschmerzen
Im Nacken bei Nasenbluten

Wärmeentziehende Anwendungen (Wickel) vermeiden eine Reizwirkung, um den Wärmedurchgang durch die Haut nicht durch Vasokonstriktion zu behindern. Bei Bädern gelingt dies durch absteigende Temperaturführung.

Kalte Wickel wirken bei längerer Einwirkung wärmeerzeugend und schweißtreibend. Sie wirken durchblutungs- stoffwechselsteigernd und ausscheidungsfördernd. Es kommt zu einer Erhöhung der Körperkerntemperatur (Drexel 63)

Literatur: Largardie`r F. et al: Checkliste Physikalische und Rehabilitative Medizin; 2. Aufl. Thieme Verlag 1997; Hildebrandt G. et al: Physikalische Medizin Band1; Hippokrates Verlag 1990

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