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Die wichtigsten Klimazonen : Hochgebirgsklima, Mittelgebirgsklima, Klima der Ebenen, Meeres- und Küstenklima.
Die Einflüsse des Klimas auf den Menschen sind folgendermaßen aufgeteilt: Thermische Wirkungskomplexe: Temperatur, Feuchte, Wind, Luftchemischer Wirkungskomplex: Sauerstoffpartialdruck, Aerosole und Luftverunreinigung, Aktinischer Wirkungskolmplex: Licht, Ultraviolettstrahlung, Infrarotstrahlung, - Elektromagnetische Einflüsse: Luftelektrizität, Erdstrahlung und Erdmagnetismus, Elektrosmog
Es versteht sich, daß die Einflüsse ineinander übergreifen und manchmal in den Auswirkungen nicht zu trennen und zum Teil noch ungenügend erforscht sind. Dazu kommt, daß ein hoher Grad von biologischer Anpassung eines Menschen an seinen Lebensraum besteht, während ein Fremder im gleichen Lebensraum die Umgebung als Reizklima empfindet.
Nach PFLEIDERER und BÜTTNER gibt es entrinnbare und unentrinnbare Klimafaktoren. Zu den ersteren zählen u. a. Temperatur, Wind, Strahlung, zu den letzteren der Luftdruck, Sauerstoffpartialdruck, atmosphärische lmpulsstrahlung. Mittels Klimakammern kann ein Zustand des Klimas simuliert und die Anpassung des Menschen an ein bestimmtes Klima geschult werden.
Hochgebirgsklima ist Reizklima: Von einem Hochgebirgsklima spricht man, wenn die Meeresspiegelhöhe mindestens 800 m beträgt. Dabei kommt nicht nur die Höhe selbst, sondern auch die sog. "Reliefenergie" durch steile und schroffe Gebirgsformen zur Auswirkung. Neben den Alpen gelten auch der Kaukasus, die Pyrenäen und Teile des norwegischen Gebirges als Hochgebirge Charakteristisch ist die Abnahme des Sauerstoffpartialdruckes (in 2000 m nur noch 80%) und des Dampfdruckes (bei 2000 m nur noch 50%). Mit der Höhe nimmt die Lufttemperatur ab (etwa 6'C pro 1000 m), ebenso die Allergene der Luft (Davos!); Sonnenstrahl und Ultraviolettstrahlung nehmen zu (ca. 25% pro 1000 m. Während der Wind in Höhen stärker weht, herrscht im Tal fast Windstille, wenn man vom auf- und abstehgenden (Fallwind) am Morgen und Abend absieht, der zur Reinigung der Luft beiträgt. Die sonnenreichsten Monate sind in den Alpen der März, September und Oktober, der Schnee reflektiert 80% des Ultraviolettlichtes.
Folgende Reaktionen sind bei 2000-3000 m Höhe zu erwarten: Sauerstoffmangelzustände, Vermehrung der Pulsfrequenz (voraus geht auch oft eine Bradykardie), Steigerung der Erythropoese mit vermehrtem Eisenbedarf (schon bei über 800 m festszustellen), Vertiefte Atmung, Abnahme des Kohlensäuredruckes in den Alveolen, Abnahme des Blutdruckes, Neigung zu Herzrhythmusstörungen, Steigerung der Nebennierenaktivität, Veränderungen im intermediären Stoffwechsel (Myogiobin, Zytochrom, Redoxsysteme usw.)
Die Folgen sind eine Herabsetzung der Leistungsfähigkeit beim Gesunden in den ersten beiden Tagen der Anpassung, nach 3-4 Wochen sind alle Anpassungs- prozesse verschwunden. Nach Monaten sind noch eine Neigung zu Hypotonie, Bradykardie in Ruhe, verbesserte Sauerstoffausschöpfung des Blutes, vergrößerte Vitalkapazität und eine verbesserte Glukosetoleranz nachzuweisen. Diese Funktionsveränderungen entsprechen einem Ausdauertraining, ohne daß eine Übungstherapie stattgefunden hat. Die sog. Bergkrankheit besteht nicht unter 3000 m Höhe, gelegentlich Kollapsneigung bei labilen Jugendlichen. Die sog. MONGEsche Krankheit (chronische Bergkrankheit) ähnlich der Polycythaemia vera ist erst über eine Höhe von 4000 m bedeutsam.
Mittelgebirgsklima ist Schonklima. Die Bedeutung für die Gesundheit liegt nach AMELUNG im besonderen Waldreichtum und der dadurch bedingten Reinheit der Luft. . Mittelgebirgsklima eignet sich für ältere Menschen, Patienten mit Herzkreislauf- erkrankungen (Bluthochdruck), die sich an die Wanderwege mit den leichten Steigungen gut anpassen können.
Klima der Ebenen: Hier sind ausschlaggebend die ausreichende Luftreinheit und die nutzbaren Wanderwege. Terrainkuren verbunden mit Hydrotherapie sind die Domäne.
Meeres- und Küstenklima: Charakteristisch sind der starke Wind und der Salzgehalt der Luft. Besonders die Nordsee erfüllt diese Bedingungen das ganze Jahr hindurch. Nahezu pollen- und allergenfreie Luft mit einem relativ hohen Jodgehalt, der bei den lymphatischen Schwächen als Umstimmungsreiz zu verwerten ist. So ist auch eine Aktivierung der Nebennierenrindentätigkeit nachgewiesen. Das maritime Aerosol wirkt sich vor allem auf die Atemwege und allergische sowie konstitutiorielle Krankheiten aus. Bei Asthma und chronischer Bronchitis wird eine Zunahme der Sekundenkapazität von 20% diskutiert, dies gilt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.
Durchführung einer Klimakur: Nachdem eine reaktive Periodik (HILDEBRANDT) mit frühreaktiven (l. Woche) und spätreaktiven (3. Woche) Formen in Bezug auf die notwendige Adaptation bekannt wurde, sollten die Klimakuren mindestens vier Wochen dauern, um einen anhaltenden Effekt zu bewirken. Bei Asthma und schweren allergischen Erkankungen (Neurodermitis) sind sogar Kuren von 2-3 Monaten erforderlich, um nicht die Rezidive schon bei der Heimfahrt zu provozieren. Sonnen, Freiluftbäder, Schwimmen, Terrainwanderungen, Abhärtungsmaßnahmen und KNEIPP-Anwendungen vervollständigen den Kurplan. Eine Erweiterung um diätetische, balneologische und phytotherapeutische Maßnahmen können gerade an heilklimatischen Kurorten segensreich eingesetzt werden. Der Landschaftscharakter unterstreicht meist den harmonischen Aufenthalt
Indikationen zur Klimatherapie: Im Hochgebirge überwiegen die Krankheiten der Atemwege und die Tuberkulose (zwischen 600 und 1600 m). Leichte Herzkrankheiten funktioneller Atiologie können günstig beeinflußt werden (bis 1000 m), schwere Herzkrankheiten müssen nach HALLHUBER eine Ergometerleistung von 3 Minuten bis 75 Watt erbringen. Essentielle Hypertonie Stadium 1 und 2 sind bis 2000 m geeignet. Hautkrankheiten in Verbindung mit Heliotherapie, wie Psoriasis und Neurodermitis. Hypotoniker und Rhythmusstörungen des Herzens sind nicht geeignet bzw. haben keinen Nutzen. Der Patient soll reise- und belastungsfähig sein.
Mittelgebirgsklima ist auch für schwere Herzkrankheiten geeignet, besonders aber für hyperkinetisches Herzsyndrom, essentielle Hypertonie, funktionelle Herz-Kreislaufkrankheiten, auch Hautkrankheiten wie oben. Im Mittelgebirge sind auch rheumatische Krankheiten, Hyperthyreose und Stoffwechselkrankheiten indiziert entsprechend den Kureinrichtungen in den einzelnen Kurorten.
Im Seeklima gedeihen besonders die Hautkrankheiten sowie die lymphatischen Diathesen der Kinder mit Neigung zu Erkältung, Schnupfen und Asthma. Ovarielle Insuffizienz, rheumatische und orthopädische Erkrankungen wie Rachitis und Arthrosen sind erweiterte Indikationen.
Literaturzusammenstellung von B. ZIMMERMANN: AMELUNG, W.: Einfluß des Mittelgebirgsklimas. In: Handbuch der Bäder und Klimaheilkunde. Schattauer, Stuttgart 1962.- FAUST, V.: Biometeorologie. Hippokrates, Stuttgart 1965.- HELLPACH, W.: Geopsyche. Enke, Stuttgart 1965.- INAMA, K., HALLHUBER, M.J.: Der Herz-Kreislaufkranke im Hochgebirgsklima. Schriftenreihe der deutschen Zentrale für Volksgesundheit 25 (1977).- JUNGMANN, H.: Einfluß des Hochgebirgsklimas. In: Handbuch der Bäder und Klimaheilkunde. Schattauer, Stuttgart 1962.JUNGMANN, H.: Medizinische Klimatologie im Kurort. Deutscher Bäderverband e.V. Bonn (Hrsg.). Flöttmann, München 1982.- MENGER, W., JUNGMANN, H.: Indikationen für die Meeresheilkunde. Schriftenreihe der Forschungsgemeinschaft für Meeresheilkunde, 3. Auff. Eigenverlag, Norderney 1976.- SCHULTZE, E.G.: Meereshellkunde. Urban & Schwarzenberg, München 1973.
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