Mistel

Misteltherapie

Seit Jahrhunderten schreibt man der Mistel eine besondere Heilkraft bei verschiedenen Krankheiten zu.  Als Rudolf Steiner vor mehr als 80 Jahren die Mistel in der Krebstherapie einsetzte, begann das Interesse daran sowohl unter den Ärzten als auch den Patienten zu steigen - auch wenn die Universitätsmedizin Bedenken anmeldete. Es liegen jetzt (2004) über 1000 Veröffenlichung über die Misteltherapie bei Krebserkrankungen vor. Klinische Studien belegen heute die Wirksamkeit dieser Behandlung.

Die Mistel ist ein immergrüner Halbschmarotzer, der auf Laub und Nadelbäumen wächst. Die Mistel ruft bei den Bäumen, die sie befällt, krebsartige Wucherungen hervor. Im Gegensatz zu allen anderen Pflanzen hat die Mistel keine bevorzugte Wachstumsrichtung. Die Blätter und Stengel orientieren sich nicht nach der Sonne, sondern formen sich zu einem runden Busch. Dieses Verhalten ist dem Krebsgeschwür sehr ähnlich.

Durch aktuelle naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse konnten die in der Mistel enthaltenen Lektine, die entscheidend zur Wirkung des Gesamtextraktes beitragen, isoliert werden.Eine sehr geringe Dosis, nämlich ein Nanogramm (0,000000001 g) pro Kilogramm Körpergewicht unter die Haut gespritzt, führt zu einer Vermehrung und Zunahme der Aktivität der natürlichen Killerzellen, anderer Immunzellen und von Botenstoffen des Immunsystems, z. B. von Interferon. Solche Vorgänge bezeichnet man auch als Immunmodulation. 

Wichtig war für die Forscher auch, ob Mistellektin das Tumorwachstum fördert.  Alle Ergebnisse waren negativ. Lediglich bei Krebsarten des blutbildenden Systems, also Lymphomen und Leukämien, ist eine Therapie mit Mistellektinen nach dem heutigen Stand des Wissens nicht angezeigt.

Eine Forderung der Schulmedizin ist nun erfüllt: Mistellektin hat bei einer Dosierung von 1 ng pro kg Körpergewicht eine nachweisbare Wirkung auf das Immunsystem.  

Wenn man in der Vergangenheit mit Mistelextrakten unterschiedliche Erfahrungen in der Tumortherapie gemacht hatte, so lag das wohl an den höchst unterschiedlichen Gehalten an Mistellektin in den Mistelpräparaten.Die Mistel kann nämlich je nach Jahreszeit und Wirtspflanze stark schwankende Konzentrationen an Mistellektin enthalten.  Um nun eine reproduzierbare medizinische Wirkung zu erzielen, forderte man ein Präparat mit einer standardisierten Menge dieses Proteins. Seit 1990 konnten mit diesem Arzneimittel eine Vielzahl klinischer Studien durchgeführt werden, beispielsweise bei Patientinnen mit Brustkrebs oder Patienten mit Dickdarm- Karzinom.

Immunologische Wirkungen von Mistel Gesamtextrakt:
Erhöhung der Körpertemperatur,
Erhöhung der NK Aktivität und Phagozytose,
Erhöhung der Leukozyten (Neutrophilen, Lymphozyten, Eosinophilen)
Erhöhung der zytotoxischen Komplement Aktivität,

Senkung von Mutationen,
Verbesserung der Immunprotektion,
Erhöhung der Freisetzung von Endorphinen.

Wirksamkeit:
das Tumorwachstum wird gebremst,
die Überlebenszeit verlängert,
das Allgemeinbefinden gebessert,
die Verträglichkeit der
Chemotherapie erhöht,
Tumorschmerzen werden vermindert.

Inhaltsstoffe:
Mistellektine führen zu einer Freisetzung von TNF alpha, IL1, IL 2, IL 6 und einer Steigerung der NK Zell-  und Phagozytoseaktivität (Zytotoxizität durch Hemmung der ribosomalen Proteinsynthese).

Viscotoxin führt zu einer Steigerung der Aktivität der zytotoxische T- Zellen (CTL). Die Zytotoxizität und Zytolyse wird durch Lecks in den Zellmembranen verursacht.

Andere Inhaltsstoffe: Arginin hemmt die Tumorinduktion im Tierversuch. Galaktane und Oligosaccharide steigern die NK Zell- und Phagozytoseaktivität und führen zur Interferon g Freisetzung und Steigerung

Flavonoide (Quercitin u.a.) hemmen die Kollagenase 4 Aktivität und den Tumor im Tierversuch.

Unter Therapie mit lektinhaltigen Mistel Präparaten kommt es zur Bildung von Anti- Mistellektin Antikörpern die sowohl die zytotoxische wie auch die immunstimulierende Wirkung der Mistel neutralisieren.
Eine Erhöhung der Dosis über 5 ng pro kg Körpergewicht führt zur Unterdrückung der Immunantwort. 
Um diese Effekte zu vermeiden wird die Misteltherapie in ansteigender Dosierung und in Intervallen durchgefühert. Bei “Allergisierungen” ist das Präparat zu wechseln.

Forschern, die einen einzigen Mistelwirkstoff propagieren, stehen andere gegenüber, die den Mistel Extrakt als Gesamtextrakt einsetzen und postulieren, dass verschiedene biologisch aktive Substanzen synergistisch wirken. Dies wird auch dadurch gestützt, dass Mistelpresssaft Lymphozyten von mit Mistel behandelten Patienten wesentlich stärker stimuliert als Mistellektin allein.

Quelle: Schlodder D.:80 Jahre Misteltherapie bei Krebspatienten; EHK Sonderausgabe 8(1997) 483f. Haug Verlag Heidelberg 

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