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Traditionelle Chinesische Medizin
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine über 6000 Jahre altchinesische Heilslehre, die auf naturphilosophische Konzepten beruht, und auf den Grundlagen der chinesischen Philosophie, vor allem dem Konfuzianismus und dem Taoismus aufbaut. Das Konzept von Gesundheit und Krankheit ist in China anders ausgerichtet als in anderen Kulturen: In Ermangelung einer invasiv orientierten Methodik (wie etwa der Chirurgie in unserer Medizin) wird großer Wert auf den Erhalt der Gesundheit und die Früherkennung von Störungen gerichtet.
Der Schulung in den diagnostischen Techniken sowie der Anwendung von konservativen Therapien wird daher mehr Aufmerksamkeit zugewandt, als invasiven Methoden. Ärzte wurden für die Betreuung einer Gruppe von Menschen bezahlt und profilierten so von deren Gesundheit. Deswegen kommt der gesunden Lebensführung bzw. der Stärkung der Selbstheilungskräfte des Einzelnen entscheidende Bedeutung zu.
Aus weichen Techniken setzt sich die TCM zusammen ? Die Traditionelle Chinesische Medizin umfaßt neben der bei uns mittlerweile gut bekannten Akupunktur zusätzlich die chinesische Pharmakologie, Tuina (chin. Manualtherapie), Präventiv- und Kurativdiätetik (Ernährungslehre), Moxibustion, IQ- GONG & TAI- CHI. Übergeordnet ist die dialektische Diagnostik (BIAN ZHENG), welche als Diagnoseschlüssel bei allen angeführten Methoden zur Therapieauswahl eingesetzt wird. Die Behandlungsmethoden werden beim Patienten meist kombiniert eingesetzt.
Was unterscheidet die TCM von unserer Medizin ? Die Moderne Medizin konzentriert sich vor allem auf die Therapie von statistisch definierten Krankheiten. In der Vielzahl der Fälle therapiert der Arzt des Patienten durch Ersetzen einer Funktion durch ein Medikament oder ein mechanisches Hilfsmittel (Exogene Substitution). Hierfür benötigt sie statistisch objektivere Werte und Messungen. Das Befinden des Patienten ist für die Wahl der Therapie sekundär. Wir sprechen hier von "Befundkranken" In der chinesischen Medizin steht das Beschwerdebild des Patienten im Vordergrund. Die Diagnose einer Störung besteht aus der Kombination der subjektiven Beschwerden und objektiven Befunde. Ziel der Therapie ist nicht das Zurückführen auf eine statistische Meßgröße sondern das Wiederherstellen des individuellen seelischen und körperlichen Gleichgewichtes. Wir sprechen hier von "Befindenskranken".
Die wichtigsten Teilbereiche der TCM im Detail:
Akupunktur: Akupunktur entwickelte sich vermutlich aus der Akupressur und zählt zur ältesten kontinuierlich angewandten Heilmethode überhaupt (ca. 6000 Jahre). Die ältesten Zeichnungen und Nadelfunde reichen bis in das Jahr 3500 vor Christus zurück, die ältesten erhaltenen Schriftstücke sind aus dem 700 v. Chr. An die Stelle von spitzen Steinen, mit denen Druck auf bestimmte Punkte ausgeübt wurde, traten Bambusnadeln, Eisen, Silber und Goldnadeln, die in die Haut gestochen wurden. Durch dieses Einstechen von Nadeln an genau festgelegten Stellen werden Blockierungen gelöst, der Fluß der Körperenergie (01) wird verbessert und das individuelle innere Gleichgewicht von YIN und YANG wiederhergestellt. Die TCM kennt über 360 Hauptakupunkturpunkte. Mehr als 100 Beschwerden, wie chronische Schmerzzustände und Regulationsstörungen des vegetativen Nervensystems können mit Akupunktur nachweislich erfolgreicher als mit der westlichen Medizin behandelt werden. 1979 fand die Akupunktur aus diesem Grunde Anerkennung durch die WHO mit einer eigenen Indikationsliste und wurde in Folge 1986 vom obersten Sanitätsrat der Republik Österreich als wissenschaftliche Heilmethode anerkannt.
Chinesische Pharmakologie: Die chinesische Arzneimittelkunde kennt über 7000, meist pflanzliche Arzneimittel von denen etwa 550 ständig verwendet werden. Während die westliche Pharmakologie auf die genaue Kenntnis der Wirksubstanzen von Heilmitteln setzt, stehen für TCM- Therapeuten die Konzentration auf die klinische Wirkung im Vordergrund. Die westliche Pharmakologie ist auf die Anwendung von Monopräparaten gegen eine Störungsgruppe orientiert. Bei mehreren Störungsgruppen (wie z.B. Hypertonie, Gastritis und Beinödeme) werden mehrere Einzelsubstanzen als Medikamente kombiniert. Dies führt oft zu Unverträglichkeitsreaktionen und Beschwerden der Patienten. Der Schwerpunkt der chinesischen Phytotherapie liegt auf Mischpräparaten von bis zu 15 unterschiedlichen jedoch gleichartig wirkenden Substanzen, welche kombiniert in einem einzigen Präparat die verschiedenen Symptome in ihrer Ganzheit behandeln. Nebenwirkungen, welche in der modernen Medizin durch die Einnahme hoher Dosierungen einzelner Substanzen oder Mischen von mehreren Monopräparaten entstehen, kommen in der chinesischen Pharmakologie nicht vor. Die verbesserte Verträglichkeit geht aber auch mit einem langsameren Wirkungseintritt einher. Chinesische Arzneimittel eignen sich daher gut zur Therapie von chronischen Störungen.
Tuina: Bei dieser Heilmassage geht es nicht wie bei der Akupressur um das Drücken bestimmter Punkte zur Schmerzausschaltung, sondern um die Regulation ganzer Körpersysteme. Tuina enthält teilweise traditionelle Massagegriffe (ANMO) wie Drücken, Schieben, Reiben, Kneten aber auch manipulative Maneuver (BA SHEN Techniken) und Repositionen, die der europäischen Manuellen Medizin (Chiropraktik) stark ähneln. Die Hauptindikationen liegen neben Störungen des Bewegungsapparates vor allem bei vegetativen Erkrankungen und in der Kinderheilkunde. Neben Ischias und Bandscheibenvorfällen behandeln Tuinalogen auch Störungen wie Hypertonie, Altersdiabetes, Verdauungsprobleme und Regelbeschwerden.
Chinesische Ernährungslehre: "Man ist was man ißt" - entsprechend diesem Prinzip sieht die chinesische Medizin die Nahrung nicht nur als Auslöser von Krankheiten sondern auch als Mittel, um auf einfache und nebenwirkungsfreie Art und Weise die Entwicklung von chronischen Störungen anzuhalten bzw. Rückfälle zu vermeiden. Eingeteilt nach Wirkung auf die verschiedene Organsysteme und thermischem Verhalten, werden die Nahrungsmittel und deren Zubereitungsarten auf das individuelle Bedürfnis angepaßt und während der Erkrankung sowie in der Rekonvaleszenz zur Gesundung verwendet
Ql GONG: Ql GONG wurde eigentlich als Methode für Krieger zur Gesunderhaltung sowie bei Verletzungen zur Eigentherapie entwickelt. Sie dient dem Erhalt der Gesundheit und der Kräftigung und Stabilisierung der Lebensenergie. QI GONG hilft Krankheiten vorzubeugen und bestehende Krankheiten zu bessern. Die einfache Anwendung ist auch für Laien leicht lernbar. Die hohe Schule des QI GONG (siehe Shaolin Mönche) verlangt jedoch jahrelange Übung.
Moxibustion: Mit Moxibustion bezeichnet man das Abbrennen von Zigarren aus getrocknetem Beifuß (Artemisa vulgaris) über Akupunkturpunkten oder als Kegel auf einer dünnen Scheibe von Ingwer, Knoblauch oder Salz. Manchmal wird auch ein kleiner Konus auf den Griff einer Akupunkturnadel angebracht und angezündet. Die Wärme wird so über das Metall der Nadel direkt auf den Akupunkturpunkt im Körper geleitet. Durch Zusätze von bis zu 15 Substanzen (wie Orangen, Zimt, Nelken etc.) lassen sich unterschiedliche Wirkungen erzielen. Die Moxibustion regt den Energiefluß des Körpers durch die lokale Hitzeeinwirkung ab. Sie stimuliert das sympathische Gefäßnervensystem und verbessert so die Durchblutung, schwemmt 0deine aus und verbessert den Lymphabfluss und somit schmerzhafte "Verquellungen" und Schwellungen. Sie wird insbesondere bei Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungssystems, Schwächezuständen bei chronischen Krankheiten, depressiven Verstimmungen sowie chronischen Schmerzen angewandt.
Dialektische Diagnostik: Die chinesische Diagnostik steht in Verbindung mit einem naturphilosophischen Weltbild, welches durch das Konzept der Ganzheit geprägt ist. Die Krankheit ist daher genauso Bestandteil des Körpers wie die Gesundheit, das Leben ebenso wie der Tod, die Aktivität gleich wie die Ruhe. Dieses sogenannte "bipolare Axiom" ist die Grundlage von allem Sein. Krankheit ist ein Prozeß, der zwar nach allgemeinen Richtlinien verläuft, jedoch in einem spezifischen Organismus und daher individuell abgestuft auftritt. Diagnose und Therapie müssen dementsprechend angepaßt werden. Die TCM folgt in der dialektischen Diagnostik dem Kernsatz der koischen Schule von Hippokrates (400 v. Chr.), dem Vater unserer westlichen Medizin:
"Es gibt keine Krankheiten, es gibt nur kranke Menschen"
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