Wasserhaushalt

 Wieviel und Was soll der Mensch trinken?

Trinken ist lebensnotwendig.  Wie stark der Mensch von dem kostbaren Naß abhängig ist, beweist die Tatsache, daß er nur wenige Tage ohne Flüssigkeit auskommen kann.
Ein Flüssigkeitsverlust von ca. 3% verringert bereits die Speichelsekretion und die Harn- Produktion.  Ab 5% treten Tachykardien (Herzrasen) auf, und die Körpertemperatur steigt an.  Die Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt. Verlängert sich der Zeitraum ohne Flüssigkeitszufuhr, erleidet der Organismus schwere gesundheitlichen Schäden. Unter günstigen klimatischen Bedingungen kann der Mensch nur wenige Tage ohne Wasseraufnahme überleben.  Ohne Essen kann ein Mensch dagegen wesentlich länger leben.

Warum Flüssigkeit für den Menschen so wichtig ist, läßt sich leicht erklären: Der Mensch besteht zum größten Teil aus Wasser.  Beim Baby sind es rund 85%, beim Erwachsenen noch 75%, und ältere Menschen „trocknen“ bis auf 60% aus. Wir könnten auch sagen: wer zu wenig trinkt wird schneller alt.
Alle Gewebe im Körper müssen mit Flüssigkeit versorgt werden. Das Blut würde beispielsweise bei Wassermangel dick werden und könnte weniger Sauerstoff transportieren.  Nieren, Leber und Magen brauchen, um ihre lebenswichtigen Aufgaben erfüllen zu können, ausreichend Flüssigkeit.  Mit Wasser als Vermittler werden die Nähr- und Wirkstoffe zu den einzelnen Organen befördert. Auch in der Zelle erfolgt der Austausch von Stoffen über das Wasser.
Das gesamte Körperwasser verteilt sich zu etwa 10% auf die Blutflüssigkeit, zu etwa 20% auf die Gewebeflüssigkeit in dem Raum zwischen den Zellen und zu etwa 70% auf die Zellflüssigkeit, das heißt auf den Raum innerhalb der einzelnen Zellen. Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch hat 50 Liter Wasser in sich.

Wasserverlust und Wasserbedarf: Der Wasserhaushalt wird durch Wasser- Zufuhr und - Verlust bestimmt.  Die durchschnittliche Wasserzufuhr von täglich rund 2,5 Liter erfolgt in Form von Getränken (1,2 Liter) und wasserhaltigen Speisen (1,0 Liter) sowie einer kleinen Menge Oxydationswasser (0,3 Liter), das beim Abbau von Energieträgern, wie Kohlenhydraten, entsteht.  Die Wasserabgabe erfolgt mit der Atemluft (0,5 Liter), mit dem Schweiß (0,5 Liter), dem Stuhl (0, 1 Liter) und dem Harn (1,4 Liter).
Die Regulation: Außer bei der Atmung werden nie reines Wasser, sondern im Schweiß, Harn und Stuhl auch Mineralstoffe ausgeschieden, die mit ausgeglichen werden müssen. Das gilt insbesondere für Natrium, Chlorid, Magnesium, Kalium und in geringerem Maße auch für Eisen.  Pro Liter Harn werden durchschnittlich 0,5-0,9 Gramm ausgeschieden, wobei die Niere eine wichtige Schlüsselstellung einnimmt. Die Niere hat die Fähigkeit, steuernd in den Mineralhaushalt einzugreifen und bei erhöhtem Verlust an Mineralien die Ausscheidung über den Harn zu vermindern.  Wird die Mineralstoffzufuhr erhöht, stellt die Niere durch eine vermehrte Ausscheidung das Gleichgewicht im Organismus wieder her. Daher dürfen Wasser- und Mineralstoffzufuhr die Verluste deutlich übersteigen.  Aus diesem Grunde sollte auch die Zufuhr stets über dem Bedarf liegen, damit in jedem Fall ein Defizit vermieden wird.  Der Organismus benötigt also nicht nur Wasser, sondern auch ausreichend Mineralstoffe.

Flüssigkeitszufuhr: Durst ist das Gefühl, das uns das Gehirn signalisiert, wenn der Körper nach Flüssigkeit verlangt.  Gäbe es diesen Reflex nicht, würden wir Gefahr laufen, zu wenig zu trinken und auszudörren.  Das Durstgefühl wird über zwei Mechanismen gesteuert: der eine ist der Mund.  Wenn dem Körper Wasser fehlt, wird u.a. Mundspeichel abgezogen und dem Blut zugeführt. Dadurch wird der Mund trocken und wir verspüren Durst.
Der zweite Mechanismus wird über das Gehirn gesteuert.  Dort tasten Zellen die Elektrolyt- Konzentration des Blutes ab.  Liegt die Konzentration zu hoch, melden sie den Zustand an andere Gehirngebiete, die wiederum Alarm schlagen: Die Konzentration ist zu hoch, das Blut muß verdünnt werden - wir bekommen Durst. Der Erwachsene soll mindestens 1 Liter, maximal etwa 4 Liter pro Tag, bei großen Verlusten durch Schweiß noch mehr trinken.  Empfohlen werden etwa 2 Liter pro Tag bei einem Gewicht von 70 kg.  Kinder sollen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr trinken als Erwachsene.

Quell-, Trink-, Tafel-, Mineralwasser:
Die im Supermarkt oder beim Getränkehändler erhältlichen Mineral- und Tafelwasser haben unterschiedliche Inhaltsstoffe und schmecken verschieden.

Quellwasser muß am Quellort abgefüllt sein und den Vorschriften für Trinkwasser genügen. Im Gegensatz zu Quellwasser darf Trinkwasser durch Sand oder andere Böden geseiht, wiedergewonnen, entsäuert, ozonisiert, Kies oder Aktivkohle gefiltert, nachgechlort oder sonstwie behandelt werden. 

 Tafelwasser ist ein künstliches Mineralwasser, d.h. ein Quell- oder Trinkwasser, welches zur geschmacklichen Aufbesserung mit Mineralwasser, Meerwasser, Salz, Soda oder doppelt kohlensaurem Natron angereichert worden ist.

Natürliches Mineralwasser stammt aus einem unterirdischen, von Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen. Es ist von ursprünglicher Reinheit und besitzt ernährungs-physiologische Wirkungen aufgrund seines Gehaltes an Mineralstoffen und Spurenelementen.  Selbstverständlich ist es bakteriologisch einwandfrei und nicht belastet durch Umwelteinflüsse.

Der Geschmack: Der Geschmack läßt sich ungefähr aus dem Gesamtgehalt und den Inhaltsstoffen eines Mineralwassers ableiten. Wir unterscheiden stark mineralisiertes Wasser (bis 5 g), mittelmäßig (bis 2 g) und schwach (unter 1 g) mineralisiertes Wasser.  Es kann „still“ sein oder mit bis zu 8 g Kohlensäure versetzt sein und entsprechend sauer wirken.

Den mineralischen Geschmack
 erzielt die bei jedem Wasser unterschiedliche Mischung von
salziger (Natrium/Chlorid),
erdiger (Hydrogencarbonat),
harter (Calcium, Magnesium) oder
bitterer (Sulfat)
Komponente.
Mit hinein spielen ab 2 mg/1 Fluoride und Eisen.  Eine weitere Geschmacksnuance verleiht dem Mineralwasser die Bakterienflora des Quellortes.

Stark mineralisiertesund (oder) Kohlensäure haltigesWasser wirkt anregend und aufmunternd.  Nach Sport, langen Autofahrten (Streß) oder bei einem »Kater« bringt es den erschöpften Mineralhaushalt wieder in Schwung. Es wirkt stimulierend wie ein Aperitif.

Mäßig mineralisiertes Wasser ist zu Wein oder anderen Alkoholika, aber auch zum Kaffee zu empfehlen.  Es eignet sich bei Fasten- und Reduktionskuren, bei denen ja die Mineralstoffzufuhr durch die Nahrung weitgehend entfällt.  Stärker natriumhaltige Sorten verzögern die Ausscheidung des Wassers über die Niere.

Schwach mineralisiertes Wasser (unter 1 g/l, wenig Kohlensäure) läßt sich angenehm zu den Mahlzeiten trinken.  Es ist im Geschmack neutraler und enthält keine zusätzlichen Mineralien (die das Essen ja schon enthält).  Es fördert Verdauung und Wohlbefinden.

Stille, Mineral arme Sorten (unter 0,5 g/l, keine Kohlensäure) eignen sich als naturreiner Trinkwasserersatz.  Zum Kochen eignet sich stilles mineralarmes Wasser, auch das Aroma von Kaffee, Tee und Kakao kommt besser zur Geltung.

Empfehlenswert ist es für den Erwachsenen 1,5 - 2 Liter Wasser/Kräutertee pro Tag zu trinken.

Weiterführende Literatur: Information über Heilwässer; Verband deutscher Heilbrunnen e.V.; Kennedyallee 28, 53175 Bonn; Höll K.: Wasser; W. de Gruyter Verlag Berlin 1986; May, W.: Hydrotherapie in: Umstimmungstherapie: Hippokrates Verlag Stuttgart 1993   

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